Radiokarbondaten und Befunde: Burg Altendorf wahrscheinlich im 11. Jahrhundert errichtet

Archäologische Sanierungsarbeiten an der Burgruine Altendorf in Essen haben neue Erkenntnisse zur Baugeschichte geliefert. Die Untersuchungen der Stadtarchäologie im Sommer 2025 konzentrierten sich auf die Hauptburg und brachten neben unbekannten Baustrukturen auch Datierungen zutage, die den Bau der Anlage in das 11. Jahrhundert verlegen.

Neue Befunde an der Hauptburg

Bei den Freilegungen konnten Archäologinnen und Archäologen mehrere bislang nicht dokumentierte Bauteile erfassen. Zwischen dem 21 Meter hohen Wohnturm und der Ringmauer trat ein zuvor unbekannter Baukörper zutage, der nach den Beobachtungen aus einer jüngeren Bauphase stammen und möglicherweise als Zisterne gedient haben könnte. Außerdem wurde ein ausgebauter Abortbereich freigelegt.

Die angelegten Erdprofile lieferten detaillierte Einblicke in aufeinanderfolgende Bauphasen. An der Fundamentoberkante des Turms zeigten sich Bauschuttschichten mit Bruchsteinen und Mörtelresten, die als Produkt der Turmerrichtung interpretiert werden. Ebenfalls erfasst wurden Auffüllungen, die mit Umbaumaßnahmen in der Renaissance in Einklang stehen und mit vorhandenen historischen Quellen übereinstimmen.

Radiokarbondaten und Hinweise auf frühere Besiedlung

Unterhalb einer Bauschicht wurden zwei Feuerstellen mit umfangreicher Holzkohle und verbrannten Knochen freigelegt. Die Forschenden deuten diese Funde als Kochstellen von Bauarbeitern zur Zeit der Turmerrichtung, bevor eine Burgküche vorhanden gewesen sein dürfte. Radiokarbondatierungen von Holzkohleproben aus diesen Kontexten ergaben Zeiträume zwischen 1033 und 1158 sowie zwischen 1035 und 1158 und belegen damit erstmals gesichert, dass der Bau der Burg deutlich früher erfolgte als bisher angenommen.

Eine zuvor im Jahr 2024 entnommene Holzkohleprobe von der gegenüberliegenden Turmseite hatte ebenfalls in den Bereich zwischen 1033 und 1158 datiert. Während diese Probe möglicherweise schon vor der Anlage der Burg im Boden gelegen haben könnte, schließen die Forschenden eine solche Vorgängigkeit für die neu freigelegten Feuerstellen aus.

Unterhalb der Bauschichten fanden sich zudem großflächige Ablagerungen mit Fundmaterial, das sich teilweise bis ins 10. Jahrhundert zurückdatieren lässt. Die Stratigrafie zeigt, dass diese Schicht älter ist als der Wohnturm. Ob an gleicher Stelle ein Vorgängerbau stand, kann mit dem begrenzten Untersuchungsbereich jedoch nicht sicher beantwortet werden.

Kontext der Arbeiten und weitere Ziele

Die Ruine der Burg Altendorf besteht aus einer Vorburg und einer kleineren Hauptburg mit dem noch erhaltenen Wohnturm. Bereits in den 1960er Jahren hatten Grabungen durch eine Schülergruppe Mauerstrukturen freigelegt, die zum Teil nicht wieder verfüllt wurden. Durch Witterung und Vandalismus waren diese offenen Bereiche in den vergangenen Jahrzehnten beeinträchtigt. Die Sanierungsmaßnahmen zielten deshalb sowohl auf bauliche Sicherung als auch auf eine verbesserte Dokumentation und auf die Klärung der Entstehungszeit der Anlage.

Quellen nennen die Familie Altendorf erstmals in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Burg selbst erscheint in schriftlichen Überlieferungen erst rund 200 Jahre später. Die aktuellen archäologischen Befunde und die Radiokarbondaten ergänzen diese Überlieferung und verschieben die mögliche Bauzeit der Anlage in das 11. Jahrhundert.

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