Köln 2025: 50 Kriegsblindgänger und fast 70.000 Evakuierte nach Funden im Stadtgebiet

Köln hat im Jahr 2025 erneut zahlreiche Relikte des Zweiten Weltkriegs zutage gefördert. Die Fachgruppe Kampfmittelangelegenheiten der Stadt registrierte 50 Bombenfunde, darunter 24 Sprengbomben und 26 Brandbomben. Für die Entschärfungen waren 19 Evakuierungen nötig, die insgesamt 69.562 Menschen betrafen.

Fundbilanz und Arten der Blindgänger

Von den 24 registrierten Sprengbomben wurden 23 vor Ort entschärft. 21 Exemplare wiesen einen Aufschlagzünder auf, zwei waren mit Langzeitzündern versehen. Eine Bombe hatte keinen funktionsfähigen Zünder mehr und konnte vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf gefahrlos abtransportiert werden. 21 der Sprengbomben kamen bei geplanten Sondierungen zum Vorschein, drei wurden zufällig bei Bauarbeiten entdeckt.

Zu den größten Funden gehörten zwei Bomben mit einem Gewicht von 20 Zentnern, gefunden im Juni im Bereich der Deutzer Werft im Stadtteil Deutz. Außerdem wurden fünf Bomben mit zehn Zentnern, 16 mit fünf Zentnern und eine mit zweieinhalb Zentnern geborgen.

Die 26 Brandbomben konnten alle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst sicher abtransportiert werden. Zusätzlich meldete die Stadt 27 kleinere Kampfmittel wie Granaten und Munition. 16 zunächst verdächtige Gegenstände stellten sich als ungefährlich heraus.

Die Funde verteilten sich zeitlich ungleich. Am häufigsten wurden Blindgänger an Donnerstagen registriert, an sieben Tagen insgesamt. Die wenigsten Funde gab es an Mittwochen und Freitagen, jeweils zwei. Häufiger Fundzeitraum war der Vormittag zwischen sieben und elf Uhr, jeweils neun Entdeckungen fielen in diese Intervalle. Am seltensten wurden Funde zwischen 11 und 13 Uhr gemeldet.

Evakuierungen und logistischer Aufwand

Die 19 notwendigen Evakuierungen betrafen zusammen 69.562 Menschen. Die größte Maßnahme ereignete sich im Juni bei Sondierungen an der Deutzer Werft und betraf nach Angaben der Stadt mehr als 20.500 Bewohnerinnen und Bewohner. Die kleinste Evakuierung im Jahresverlauf führte zu keiner Betroffenheit, sie betraf im Januar den Auenweg im Stadtteil Weiß.

Im Durchschnitt waren pro Evakuierung 3.661 Personen zu verlegen. Die längste einzelne Maßnahme dauerte rund 16 Stunden und fand im Mai im Bereich Hardefuststraße und Sachsenring in Neustadt Süd statt. Anlass war eine US Sprengbombe, die durch ein Baustellenfahrzeug bewegt worden war und daher sofort entschärft werden musste, so die Stadt.

Für die Evakuierungen leisteten Mitarbeitende des Kommunalen Ordnungsdienstes knapp 18.650 Arbeitsstunden. Im Durchschnitt waren 63 Außendienstkräfte pro Einsatz eingebunden. Feuerwehr, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen unterstützten bei 644 Krankentransporten, das sind durchschnittlich 34 Transporte pro Evakuierung. Insgesamt suchten 2.580 Personen die eingerichteten Betreuungseinrichtungen auf, im Mittel 136 pro Einsatz. Etwa 6.300 der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner waren älter als 75 Jahre, das entspricht durchschnittlich 331 Personen über 75 Jahren pro Evakuierung.

Sondierungen, Anträge und Baustellenkontrollen

Die Fachgruppe Kampfmittelangelegenheiten verarbeitete im Jahr 2025 insgesamt 3.209 Anträge auf Luftbildauswertung aus privater und öffentlicher Hand. Zum Stichtag befanden sich 2.242 Fälle in laufender Bearbeitung. Daraus resultierten 1.301 beantragte konkrete Kampfmitteluntersuchungen. Die Mitarbeitenden führten 129 Ortstermine durch.

Die Sondierungsmaßnahme Anfang Juni an der Deutzer Werft mit drei Kampfmittelfunden und mehr als 20.000 Betroffenen gilt als die bislang größte dokumentierte Nachkriegsevakuierung in Köln und stellte die Stadt vor besondere Herausforderungen. Dutzende Medien berichteten über den Einsatz.

Zur Überwachung der Einhaltung der Kampfmittelverordnung des Landes Nordrhein Westfalen führten die Fachleute 60 Baustellenkontrollen durch, um zu prüfen, ob Bauträger und beauftragte Firmen die Vorgaben beachten.

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